Drucken

Das somatische Syndrom bei der Depression

Das somatische Syndrom bei der Depression

05.05.2017

Das somatische Syndrom bei der Depression

Immer wieder werde ich zum somatischen Syndrom bei der Depression gefragt. Auch gibt es dazu sehr häufig Fragen in der schriftlichen Prüfung.

Unsicherheit herrscht vor allem bezüglich der Bezeichnung „somatisch“ (gr.: soma = Körper, Leib), was übersetzt „körperlich“ bedeutet. Aber nicht alle Symptome, die zum somatischen Syndrom zählen, sind körperliche Symptome.

Nachfolgend alle Symptome, die gemäß ICD 10 zum somatischen Syndrom zählen, in der Übersicht:

  1. Verlust von Interesse und Freude an normalerweise angenehmen Aktivitäten
  2. Mangelnde Fähigkeit, auf eine freundliche Umgebung oder freudige Ereignisse emotional zu reagieren („Gefühl der Gefühllosigkeit“)
  3. Frühmorgendliches Erwachen (2 oder mehr Stunden vor der gewohnten Zeit)
  4. Morgentief
  5. Der objektive Befund einer psychomotorischen Hemmung oder Agitiertheit (festgestellt und berichtet von Personen der Umgebung des Kranken)
  6. deutlicher Appetitverlust
  7. Gewichtsverlust (häufig mehr als 5% des Körpergewichts im vergangenen Monat)
  8. deutlicher Libidoverlust

Die Symptome des somatischen Syndroms entsprechen der klassischen „endogenen Depression“, von der anzunehmen ist, dass sie neurobiologische Ursachen hat (eine Dysbalance im Neurotransmitterhaushalt) und genetisch mit verursacht ist.

Die Bezeichnung „somatisch“ (körperlich) bezieht sich hier nicht auf die einzelnen Symptome, sondern auf die Ursache: „körperlich“ bezogen auf die Dysbalance im Neutrotransmitterhaushalt, im Sinne von „endogen“ (von innen heraus).


Zur Diagnose des somatischen Syndroms müssen mind. 4 der genannten 8 Symptome vorliegen.

Bei der leichten und mittelgradigen depressiven Episode kann das somatische Syndrom vorliegen (muss aber nicht), um eine schwere depressiven Episode zu diagnostizieren, muss es vorhanden sein.

Auch wenn dies zwar zum Verständnis der Bezeichnung beiträgt, hilft letztendlich nur, die Symptome auswendig zu lernen, vor allem in der Abgrenzung zu den „anderen häufigen Symptomen“ der Depression.

Nachfolgend die „anderen häufigen Symptome“ der Depression gemäß ICD 10 in der Übersicht:

  1. verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  2. vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  3. Schuldgefühle und Gefühle von Wertlosigkeit
  4. negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
  5. Suizidgedanken, erfolgte Selbstverletzung oder Suizidhandlungen
  6. Schlafstörungen
  7. verminderter Appetit
     

Weitere Einzelheiten dazu finden Sie in Skript Nr. 5, „Affektive Störungen“.

Zum Üben habe ich Ihnen hier einige Fragen als Download zum somatischen Syndrom zusammengefasst:

downlaod_2

         Download

 

Wörterbuch:

Syndrom (gr.: syn = zusammen / dromos = Weg, Lauf)
das gleichzeitige Vorliegen verschiedener Symptome, die häufig zusammen auftreten (auch: „Symptomenkomplex“)


Dysbalance (gr.: dys = Vorsilbe: miss, drückt Störungen aus)
Ungleichgewicht

Neurotransmitter (gr.: neuron = „Nerv“ / lat.: transmittere = „hinüberschicken, übertragen“
körpereigene , biochemische Botenstoffe, die als Überträgersubstanzen zwischen den Nervenzellen fungieren

endogen (gr.: endo = im Inneren erzeugt)
etwas entsteht aus dem Inneren oder aus inneren Ursachen heraus
medizinisch:
Krankheiten, die weniger von äußeren Einflüssen als vielmehr durch die innere Konstitution verursacht sind
nachweisbare körperliche Ursachen fehlen