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Erscheinungstermin ICD 11

06.07.2018

In letzter Zeit sind in der Presse immer wieder Mitteilungen über neue oder geänderte Diagnosen auch von psychischen Störungen im Zusammenhang mit dem neuen Klassifikationssystem ICD (International Statistical Classification of Diseases), Version 11, erschienen.

Dies führte bei vielen Studentinnen und Studenten zu Unsicherheiten bei der Prüfungsvorbereitung: ab wann gelten die neuen Diagnosen, was muss ich für die Prüfung beachten?


Das DIMDI (Deutsches Institut für medizinische Dokumentation und Information), das als Kooperationszentrum der WHO in Deutschland für die Pflege und Weiterentwicklung der Klassifikationssysteme zuständig ist, gibt dazu folgendes auf seiner Website bekannt:

  • das ICD 11 wurde am 18.06.2018 offiziell von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) in Genf vorgestellt

  • das ICD 11 soll in 2019 durch die Weltgesundheitsversammlung (WHA: World Health Assembly) verabschiedet werden

  • der Zeitpunkt der Einführung des ICD 11 in Deutschland steht derzeit noch nicht fest


Andere Publikationen erwähnen als möglichen Geltungsbeginn in Deutschland Januar 2022.

Fazit: Das derzeit gültige Kodierungssystem, auf dessen Grundlage die Prüfung und auch alle Skripte basieren, ist nach wie vor das ICD 10.


Nach bisherigen Veröffentlichungen wird es in der zukünftigen Version 11 u. a. folgende Änderungen und Ergänzungen geben:

Als neue Diagnosen werden die folgenden, bereits viel diskutierten, Störungen mit aufgenommen:

  1. Gaming disorder  („Internet-Sucht“ oder „Spielsucht“, die sich auf Internet- und Videospiele bezieht)

Definition*):

Es besteht ein Muster an anhaltendem oder wiederkehrendem Spielverhalten, das online oder offline erfolgen kann.

Die Störung ist gekennzeichnet durch:

a) eine beeinträchtigte Kontrolle über Beginn, Häufigkeit, Intensität, Dauer, Beendigung und Kontext des Spielens


b) eine zunehmende Priorität für das Spielen in einem Maße, dass das Spielen „Vorrang vor anderen Lebensinteressen und täglichen Aktivitäten“ gewinnt

c) die Fortsetzung oder Eskalation des Spielens trotz des Auftreten von negativen Folgen

Siehe auch Blogbeitrag Internetsucht vom 29.09.2016.
 

  1. Messie-Syndrom (pathologisches Horten)

Hierzu gab es in der Prüfung vom 16.03.2016 auch bereits eine Prüfungsfrage. Diese und weitere Erläuterungen finden Sie im Blogbeitrag vom 23.08.2016.
 

  1. Es wird eine neue Einteilung der Störungen der sexuellen Gesundheit geben, da die bisherige Einteilung der Sexualstörungen (siehe auch Blogbeitrag vom 10.04.2018) als nicht mehr zeitgemäß gilt.

    So ist bereits vor einiger Zeit veröffentlicht worden, dass Transsexualität nicht mehr als psychische Störung gilt, sondern stattdessen im Kapitel Sexualgesundheit verzeichnet ist.


*) Quelle: Ärzteblatt, 19.06.2018
weitere Quellen:
Deutsches Institut für medizinische Dokumentation und Information: www.dimdi.de
www.tagesschau.de, 19.06.2018